SUIZID – VORSTELLBAR?

 “Mehrheit kann sich Suizid vorstellen”

….  so betitelt die deutsche “Ärzte Zeitung online” (03.02.2014) einen Beitrag.

Offenbar ist das Thema Suizid und Sterbehilfe im Bewußtsein der Bevölkerung aktuell anwachsend bedeutsam.

Immer mehr Menschen können sich offenbar den Suizid ( Selbsttötung, Selbstmord oder Freitod) als Ausweg aus einer schweren Krankheit oder ausweglos erscheinenden Lebenssituation vorstellen.
Eine aktuelle Umfrage des Institus TNS Forschung im Auftrag der Zeitschrift “Spiegel” ergab, daß sich 55 Prozent der Deutschen vorstellen können, im Alter einen Suizid aufgrund von schwerer Krankheit, langer Pflegebedürftigkeit oder Demenz zu vollziehen.
Eine andere Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit kam Mitte Januar 2014 sogar zu noch höheren Zustimmungswerten: 70 Prozent der Befragten befürworteten dabei Sterbehilfe.

Führende Politiker wollen die Sterbehilfe nicht zulassen.
Der neue deutsche Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will ein Verbot organisierter Sterbehilfe: “Es darf nicht sein, dass Selbsttötung gleichsam als Behandlungsvariante neben anderen angeboten wird.”
Ähnlich äußerten sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann positioniert sich so, daß er gegen ein generelles Verbot der Sterbehilfe sei: “Gesetzlich können wir nur regeln, was nicht sein darf – nämlich aggressive Werbung und Kommerzialisierung.”

So entsteht wohl erst (in Deutschland) eine breite Diskussion unter Politikern und vielleicht auch mit Experten über Suizid und Sterbehilfe.

Ja, Selbstmord ist (in Deutschland) geächtet, wenn nicht sogar verboten … zumindest aber jegliche Hilfe dazu – die “Sterbebegleitung”. Aber derweil quälen sich – meist allein und für sich –  Menschen weiter mit ihrem leben. Und für immer mehr Menschen scheint das Sterben besser als das Weiterleben zu sein.  

Das deutsche Grundgesetz bestimmt: “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt”. Zur Würde eines Menschen gehört auch sein Tod.   

Fritz J. Raddatz: “Über sein Lebensende soll jeder selber entscheiden dürfen. Wieso nimmt sich der Staat das Recht heraus, mir dabei die nötige Hilfe zu untersagen? Ein Plädoyer für die Wahrung der letzten Würde.” (Artikel vom 27.12.2013 in www.welt.de)

Hierzu Raddatz: “Es gilt also das gebrochene Wort. Genau diese Verpflichtung wird nicht eingehalten. Ich verbitte mir, dass irgendjemand, dem ich mein Leben schließlich nicht verdanke, mir (und vielen Alten, Kranken, müde Gewordenen, der Last des Lebens nicht mehr Gewachsenen) diese letzte Würde nimmt. Es ist im tiefsten Sinne des Wortes un-menschlich.”

Welche Ursachen für das selbst bestimmte Lebensende gibt es?

52 Prozent der vom TNS-Institut Befragten meinen, Alte und Kranke könnten sich mehr zum Freitod gedrängt fühlen, um anderen nicht zur Last zu fallen, wenn die Politik Sterbehilfe durch Ärzte freigebe.

Sehr interessant und anregend erscheint hierbei eine Untersuchung von Expertenerfahrungen zu den vermutlichen Ursachen von Suiziden in Luxemburg:

1. Depressionen (hauptsachlich endogene Depressionen)

2. Abhängigkeit (Drogen, Alkohol, Spiel, Medikamente)

3. Familiäre Probleme, Paarprobleme, Scheidung

4. Andere psychiatrische Erkrankungen (hauptsachlich Schizophrenie)

5. Lebenskrisen oder existentielle Krisen (Wohnungslosigkeit, geringe Lebensqualität)

6. Unheilbare Krankheit (Schmerzen, Diagnosemitteilung, Krebs)

7. Traumatisierung (sexueller Missbrauch, Misshandlung, Mobbing, Mord, Unfall)

8. Isolation, Einsamkeit

9. Hohes Alter

10. Verschuldung (durch Spielen, Spekulation, Kreditaufnahme, Konsumzwang

11. Leistungsdruck, Überforderung, Stress oder Versagen (z.B. Schule, Beruf)

12. Verlusterlebnisse

13. Arbeitslosigkeit oder unertrag1iche Arbeitsbedingungen

14. Imitation (Familienmitglied, Image des Suizidortes, Ortstraditionen)

15. Gesellschaftswandel (Sinken der Hemmschwelle Suizid zu begehen, Modephänomen, Gruppendynamik, Individualismus, Wertewandel -verlust)

Quelle: Zenner Franfoise: Diplomarbeit

In der Schweiz oder in den Niederlande geht man offenbar schon würdevoller mit diesem Thema um, von Psychologen und Medizinern sorgfältig geprüft und  gehandhabt – und ohne verdummenden Medienrummel und ohne Geschwätz von Politikern, die sich viel mehr umein würdevolles LEBEN in der Gesellschaft bemühen sollen.