Verhaltenstherapie

Eine Weiterentwicklung der klassischen Verhaltenstherapie stellen kognitive Verhaltenstherapierichtungen dar.

Diese kritisieren die Vernachlässigung des typisch menschlichen „Reflexiven Bewusstseins“: Im Gegensatz zum Instinktverhalten der Tiere (auf das die meisten der „klassischen“ Methoden aufbauen – sie basieren oft auf Tierexperimenten) ist der Mensch in der Lage, seine „Gesten“ bewusst einzusetzen. Er ist sich dieser meistens bewusst und weiß, welche Folgen sie hervorrufen. Daher werden nun erstmals kognitive Elemente in die Therapie integriert:

Lernen am Modell (Bandura):

Insbesondere komplexe Verhaltensweisen werden gut vermittelt, indem sie durch Beobachtung von bestimmten „Modellpersonen“ gelernt und von ihnen nachgeahmt werden. Insbesondere zur Arbeit mit Kindern (z.B.: Behandlung von Ängsten) geeignet. Das „Modellverhalten“ kann dabei „in vivo“ (also in lebensechten oder -nahen Situationen) präsentiert oder im Rollenspiel trainiert werden.

Selbstinstruktion (Donald Meichenbaum, Albert Ellis):

Hier geht es nicht um „unerwünschtes“ oder „fehlerhaftes“ Verhalten, sondern um einen „fehlerhaften Denkstil“. Jedes Verhalten wird demnach von einem „inneren Dialog“ begleitet der vielen Dingen eine subjektive Bewertung zuordnet. Diese Klassifizierung bestimmt hauptsächlich, was als positiver bzw. negativer Verstärker angesehen wird. Gearbeitet wird also zunächst nicht am Verhalten, sondern am inneren Klassifikationsschema.
Ein Beispiel, das im Umgang mit Prüfungsangst gut eingesetzt werden kann:
Zunächst wird von einem Dritten (Therapeut, Eltern etc.) eine Beruhigungsformel laut vorgesprochen (z.B. „Ich bin ganz ruhig und selbstsicher.“) während der Klient sich die Prüfungsangst konkret vorstellt. Anschließend sagt er sich die Formel selbst laut vor. Schließlich wird die Formel nur durch „inneres Sprechen“ wiederholt und in der Prüfungssituation eingesetzt.

Verdeckte Konditionierung (Lloyd Homme, Joseph Cautula):

Die verhaltensändernde Wirkung von vorgesetellten („imaginierten“) Verstärkern bzw. Bestrafungen steht hier im Zentrum der Therapie. Beispielsweise müssen sich die Klienten bei der verdeckten Löschung vorstellen, dass der eigentlich erwartete Effekt bzw. Verstärker einer Handlung ausbleibt. Ähnlich wird beim versteckten Modellernen ein Modell von dem gelernt wird lediglich vorgestellt und in der Phantasie beschrieben.

Rational-Emotive Therpaie RET (Albert Ellis):

„Dysfunktionale Kognitionen“ stehen im Zentrum bei dieser eigentlich eigenständigen Therapieform. Diese beeinträchtigen die Wahrnehmung der Klienten und haben somit Auswirkungen auf das Verhalten.
„Es sind nicht die Dinge selbst, die einen beunruhigen, sondern vielmehr die Gedanken, die man sich darum macht.“ stellte Epiktet vereits im 1. Jahrhundert n. Chr. hierzu fest!
Bekannt sind Ellis‘ irrationale Ideen (insgesamt 12), die Störungen aufrechterhalten oder auslösen können, z.B.:

  • Die Idee, von allen wegen seinen Handlungen geliebt werden zu müssen, anstatt sich auf seine eigene Selbstachtung zu konzentrieren.
  • Die Idee, dass es einfacher ist Lebensschwierigkeiten und Verpflichtungen zu vermeiden
  • Die Idee, dass etwas unbeschränkt das Leben beeinflussen sollte, weil es früher das Leben stark beeinflusste.

In der Therapie lernen die Klienten ihre Gefühle konkret auszudrücken und ihre Gedankensysteme neu zu formulieren, so dass vorhandene irrationale Ideen geändert oder gelöscht werden. Auch durch den Einsatz von „Hausaufgaben“ werden erwünschte Verhaltensweisen durch verbale Vertärker gefördert, bzw. unerwünschte gelöscht.