Die systemische Therapie oder auch Familientherapie

unterscheidet sich grundlegend von anderen Verfahren. Die zugrunde liegende Haltung geht davon aus, dass sich jeder Mensch in unterschiedlichen Systemen und Beziehungen bewegt (Familie, Freunde, Kollegium, Arbeitsteam, Verein u.v.m.) und dort auch bestehen will. Probleme und Schwierigkeiten aber auch Möglichkeiten und Lösungen entstehen also nicht nur im einzelnen Individuum, sondern sind immer gleichzeitig Symptom und Ursache für und im umgebenden ‚System‘.

Auch die Entwicklung unterscheidet sich von anderen psychotherapeutischen Verfahren, da die Systemik nicht von einem bestimmten ‚Gründer‘ entwickelt und anschließend verfeinert wurde. Im Laufe der Jahre wurden die Theorien und Techniken verschiedener Therapeuten, die in ihrer systemischen Grundhaltung vergleichbar waren, zur systemischen Therapie zusammengefasst. Sie birgt weiterhin sehr heterogene Verfahren unter einem ‚Dach‘, wie beispielsweise:

Strukturelle Familientherapie nach Minuchin (1977)

Macht in der Therapie die in einer Familie / in einem System vorhandenen Strukturen zwischen den einzelnen Beteiligten deutlich (Strukturdarstellung), um eine Neuordnung zu ermöglichen.

Erlebnisorientierte Familientherapie nach Satir (1990) oder Whitaker (1991)

Es geht hauptsächlich um die Erfahrung der Familien-/Systemmitglieder hinsichtlich ihrer emotionalen Äußerungen in der gegenseitigen Begegnung: ‚Beschwichtigen‘, ‚Anklagen‘, ‚Rationalisieren‘ und ‚Ablenken‘ sollen in eine ‚kongruente Kommunikation‘ übergeführt werden – ein stetiger Prozess.

Systemisch-kybernetische Familientherapie nach Selvini Palazzoli (1977)

‚Verstörung‘ des eingefahrenen und problemfördernden Systems, so dass sich dieses neu ordnen und vorhandene Spielregeln im ‚Familienspiel‘ überdenken und ändern kann.

Lösungsorientierte-Kurzzeittherapie nach de Shazer (1989)

Nicht die Ursache für das Problem, sondern dessen Lösung steht im Zentrum dieses Ansatzes. Beispiel ‚Wunderfrage‘: „Wenn das Problem am nächsten Morgen wie durch ein Wunder weg wäre, was würden Sie dann anders machen?“